Die ersten 90 Jahre der Freiwilligen Feuerwehr Overath

Die Freiwillige Feuerwehr Overath wurde am 3. Juli 1893 gegründet. Es bestand jedoch schon Jahrzehnte vorher ein sogenannter "Branddienst", um die verheerenden Großfeuer zu bekämpfen, die ganze Gehöfte und Straßenzüge einäscherten. Nach den vorliegenden Aufzeichnungen lässt sich dies nur bis zum Jahr 1877 zurückverfolgen. Nach Überlieferungen brannte das Dorf Overath im Jahre 1711 bis auf die Kirche, den Steinhof und einigen Häusern völlig nieder. Gründe für diese Brandkatastrophen lagen in den brennbaren Materialien. (Holz u, Stroh), die beim Bau verwandt wurden, sowie in den offenen Herdfeuern.

Mit Hilfe von Feuerordnungen wurde seitens der Bürgermeisterei versucht, den Brandschutz zu organisieren. Bauhandwerker, Maurer, Zimmerleute und Dachdecker wurden zum Löschen mit Ledereimern herangezogen. Die Brandschäden wurden durch Nachbarschaftshilfe und Spenden des Dorfes beseitigt.

Im Jahre 1809 wurde seitens der französischen Regierung, zu dieser Zeit bestand die napoleonische Herrschaft, eine Brandordnung erlassen. Je Honschaft wurden zwei Branddeputierte eingesetzt, um Bränden vorzubeugen und um die erlassene Ordnung zu überwachen.

Im Jahr 1877 trat für den Bereich der Bürgermeisterei Overath das "Feuerwehr-Reglement" in Kraft. Hiernach musste in Overath eine "Feuerwehr Commission", bestehend aus 12 Bürgern, gebildet werden, die im bereits1869 erbauten Spritzenhaus, gegenüber dem Rathaus, ihre Unterkunft fanden. Diese Bürger besaßen dieselben Rechte und Pflichten wie die heutigen Feuerwehrmänner.

Im gleichen Jahr beschaffte das Amt für den Bezirk Overath 2 Brandspritzen (Druckspritzen, keine Saugspritzen). Nach einem Aufruf des damaligen Bürgermeisters Noever fand am 2. Juli 1893 die Gründungsversammlung statt, über dessen Verlauf die folgende Niederschrift Auskunft gibt.

Am 30. Juli 1893 wurde die Bekanntmachung des Bürgermeisters Noever vom 20. Juli gleichen Jahres über die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Overath und Marialinden veröffentlicht. Hier ein Auszug: "Bezüglich der in der Bürgermeisterei Overath sich gebildeten freiwilligen Feuerwehr bringe ich nachstehend als Vorsitzender derselben die Namen der Vorstandsmitglieder zur öffentlichen Kenntnis unter dem Ersuchen, bei entstehenden Bränden örtlich deren Anordnungen unbedingt Folge zu leisten:

  • Carl Ennenbach, Hauptmann
  • Carl Feckter, Stellvertreter
  • Wilhelm Krey, Führer der Spritzen-Abteilung
  • Lorenz Grützenbach, Frührer der Steiger-Abteilung
  • Heinrich Rappenhöhner, Führer der Ordnungs-Abteilung
  • zudem bestand eine Hydrantenabteilung

 

Carl Ennenbach, Mitbegründer und 1.Hauptmann 
Carl Ennenbach, Mitbegründer und 1.Hauptmann

 

Schon im Winter des gleichen Jahres konnte die Feuerwehr Overath den ersten gefährlichen Brand bekämpfen, der in der Scheune der Gerberei Ley an der Kemenate entstand und den oberen Teil des Dorfes bedrohte.

Wegen Meinungsverschiedenheiten in der Mannschaft wurde die Freiwillige Feuerwehr im Jahre 1905 aufgelöst. Jedoch schon 2 Jahre später, im Jahr 1907, wurde die Wehr nach der Initiative des amtierenden Bürgermeisters Sirnon neu gegründet. Die Mannschaft setzte sich nun aus Mitgliedern der alten Wehr und einer Anzahl weiterer Bürger zusammen. In den neuen Vorstand wurden gewählt:

  • Johann Vogel, 1.Brandmeister
  • Johann Führer, 2.Brandmeister
  • Carl Mibach, 1.Steigerführer und Schriftführer
  • Aloys Volbach, 2.Steigerführer und Zeugwart
  • Hermann Odenthal, 1.Spritzenführer
  • Peter Ebel, 2.Spritzenführer
  • Hubert Becher jun., Ordnungsführer und Kassierer

 

Mit Hilfe der neu beschafften Feuerlöschgeräte, u.a. wurde eine Fahrspritze beschafft, und der neuen persönlichen Ausrüstung konnte der Übungsbetrieb wieder aufgenommen werden. Die Uniform bestand aus einem blaugefärbten Leinenrock, dazu kamen Leinengurte, rot-schwarz gefärbt. Schon ein Jahr später konnte eine 2. Garnitur (Tuchrock und Helm) angeschafft werden, was ein besonderer Verdienst des damaligen 1. Steigerführers, Carl Mibach war.

Die Feuerwehr Overath ging neben ihrer eigentlichen Arbeit, der Brandbekämpfung, auch anderen Interessen nach und beteiligte sich aktiv am Ortsgeschehen. Ende 1908 wurde innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Overath eine Gesangsabteilung unter der Leitung des Ordnungsführers Hubert Becher jun. gegründet. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde diese Abteilung der Wehr durch die Einberufung des Dirigenten und eines Teiles der Kameraden zum Heer früh auseinandergerissen.

Daneben bestand noch ein Tambourkorps, das 1909 ins Leben gerufen wurde. Unter der Leitung des Ordnungsführers Josef Becher blieb es bis 1936 bestehen.

Tambourkorps der Feuerwehr Overath
Tambourkorps der Feuerwehr Overath 

 

Der 1.Weltkrieg riss große Lücken in die Reihen der Feuerwehr. Von den Verlusten des Krieges, es waren 5 Kameraden zu beklagen, konnte sich die Overather Wehr nur langsam erholen. Erst 1923 wurde sie neu geordnet, der alte Vorstand wiedergewählt und die Wehr mit dem alten Geist erfüllt.

1928 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Overath die erste Brandschallhornsirene. Bis dahin erfolgte die Alarmierung zuerst durch den Küster mit schnellen Hammerschlägen auf die große Glocke, später mit feuerwehreigenem Signalhörnern.

1932 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Overath die erste Motorspritze. Die Brandbekämpfung konnte nun noch wirkungsvoller und schneller durchgeführt werden. 1933 gab es einen weiteren technischen Fortschritt für die Wehr, sie wurde mit einem Löschfahrzeug, Horch 6-sitzig, ausgestattet.

Mit der Machtübernahme des NS-Regimes wurde das gesamte Feuerwehrwesen grundlegend geändert. Alle Wehren wurden in ihrer bestehenden Form aufgelöst und verloren dadurch ihre Selbstständigkeit. Aus der Freiwilligen Feuerwehr Overath wurde die Feuerlöschpolizei Overath und unterstand damit der staatlichen Aufsicht.

Die Wehr Overath wurde in Normal-Löschzug I umbenannt. Oberbrandmeister Johann Vogel schied als Hauptwehrleiter für die Gemeinde Overath aus dem Löschzug I aus. Die Führung des Löschzuges I wurde dem Stellvertreter und 2. Brandmeister Reiner Becher übertragen, der damit auch gleichzeitig als neuer Oberbrandmeister in die Führungsspitze aller Gruppen in der Gemeinde aufstieg. In den Führerrat wurden gewählt:

  • Hauptbrandmeister Johann Vogel als Leiter der Gemeindewehr
  • Oberbrandmeister Reiner Becher als stellvertretender Leiter der Wehr
  • Franz Lukas als Schriftführer und Kassenwart
  • Karl Ebel als Gerätewart
  • die Brandmeister der anderen Einheiten der Gemeinde

1939 erhielten die Feuerwehrmänner Stahlhelme. Daneben wurde die Wehrspitze der Feuerlöschpolizei umbesetzt. Wegen Erreichen der Altersgrenze schied Hauptbrandmeister Johann Vogel aus seinem Amt als Wehrleiter aus, Sein Nachfolger wurde Reiner Becher.

Im Kriegsjahr 1942 erhielt die Overather Wehr das erste Typenfahrzeug, ein Löschgruppenfahrzeug mit einem Tragkraftspritzenanhänger LF 8/TSA. Im weiteren Verlauf des 2. Weltkrieges musste die Feuerlöschpolizei Overath mit dem LF 8­ TSA auch überörtliche Hilfe leisten. So kam sie z.B. in Remscheid, Solingen, Köln, Grube Neurath (Braunkohlengebiet, Einsatzdauer 60 Std.), Wuppertal, Bergisch-Gladbach, Siegburg, Engelskirchen usw. zum Einsatz. Daneben führte sie mit dem Löschfahrzeug den Krankentransport der Gemeinde und darüber hinaus durch.
Nach dem Ende des 2.Weltkrieges wurde die Wehrleitung umbesetzt. Es fungierten:

  • Reiner Becher als Wehrleiter
  • Karl Ebel als Löschmeister
  • Franz Lukas als Brandmeister
  • Heinrich Röger als Brandmeister
  • Peter Velder als Unterbrandmeister, später Brandmeister

 

Nach dem Ende der Kämpfe durften zunächst keine Uniformen mehr getragen werden, bis die damalige englische Besatzungsbehörde den Feuerschutz in der Gemeinde anordnete und Reiner Becher, Franz Lukas, Karl Ebel als Führungsstab bestätigte. Zudem stellte sich auf Veranlassung der englischen Besatzung bald zuverlässiger junger Nachwuchs ein, der den Wiederaufbau unterstützte.

Einsatzgruppe 1939-1958 vor dem LF 8/TSA
Einsatzgruppe 1939-1958 vor dem LF 8/TSA 

 

1949 erhielt die Löschgruppe Overath für die Durchführung der Krankentransporte einen von der Gemeinde neu beschafften Krankenwagen. Zwischenzeitlich musste der Führungsstab durch Tod oder durch den Eintritt in die Altersabteilung einiger Kameraden neu besetzt werden. Das Amt des Löschgruppenführers übernahm Johann Schmitz, das des Stellvertreters Alois Jansen.

1953 wurde das 60-jährige Bestehen der Wehr würdig gefeiert, da das 50ste Stiftungsfest im Jahr 1943 aufgrund des Krieges nicht gefeiert werden konnte. Die Jubiläumsfeiern fanden am 9. und 10. September 1953 statt. Im Saal des Hotels Steinhof wurde der Festkommers durchgeführt. Am darauffolgenden Sonntag standen Schauübungen auf dem Marktplatz am Jägerhof unter großer Beteiligung der benachbarten Wehren auf dem Programm, u.a. wurden Übungen an der neu errichteten Steigerwand vorgeführt.

Die Steiger-Abteilung der Feuerwehr Overath
Die Steiger-Abteilung der Feuerwehr Overath 

 

Im August 1958 beschaffte die Gemeinde Overath für die Löschgruppe Overath das 1. Tanklöschfahrzeug 16/24. Dieses Fahrzeug besaß eine Pumpe mit einer Förderleistung von 1600 Litern/Minute. und einen Wassertank von 2400 Litern. Somit wurde die Schlagkraft der Löschgruppe bedeutend erhöht.

Zeitungsartikel TLF 

Im Oktober 1959 trat Hauptbrandmeister Reiner Becher nach 50 Jahren Mitgliedschaft aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Wehrleiter zurück. Er machte sich vor allem um den Wiederaufbau des Feuerschutzes in der Gemeinde Overath verdient.

 Reiner BecherRainer Becher

1910: Eintritt
1926: Brandmeister
1934: Oberbrandmeister
1939: Wehrleiter
1950 bis 1959: Hauptbrandmeister
 

Sein Amt übernahm Oberbrandmeister Hans Odenthal aus der Löschgruppe Overath, der bereits seit 1956 sein Stellvertreter war.

Anfang 1961 erfolgte auf Wunsch der Kreisverwaltung die Umbenennung der Löschgruppe Overath in den Löschzug Overath.

Im März 1962 wurde das Gründungsjahr des Löschzuges Overath unter Berücksichtigung der vorliegenden Statuten auf das Jahr 1893 festgelegt.

Zu Beginn des Jahres 1963 wurde Clemens Roth zunächst zum kommissarischen Brandmeister ernannt und zugleich als Zugführer des Löschzuges Overath von der Mitgliederversammlung bestätigt. Er übernahm die Leitung von Brandmeister Jean Schmitz.

Im gleichen Jahr übernahm die Freiwillige Feuerwehr Overath, nach Auflösung der Löschgruppe Marialinden, zusätzlich diesen Löschbezirk, der den östlichen Gemeindebereich bis zu den Grenzen nach Much, Neunkirchen-Seelscheid und Wahlscheid (heute Lohmar) umfasste.

Im Herbst 1964 wurde Clemens Roth zum Brandmeister befördert, da er an dem dafür erforderlichen Brandmeisterlehrgang an der Feuerwehrschule in Münster mit Erfolg teilgenommen hatte.

Clemens Roth
Clemens Roth

 

Am 11.10.1964 wurde der Löschzug Overath zum Brand eines Stallgebäudes in Overath-Warth gerufen. Es handelte sich um einen der größten Brände nach dem 2. Weltkrieg. Zusammen mit den Feuerwehren aus Vilkerath,
Heiligenhaus, Steinenbrück und Bensberg gelang es, den Brand unter Kontrolle zu bringen und eine Ausweitung auf das Wohngebäude zu verhindern.

Da die Unterkunft des Löschzuges, das 1869 errichtete Gerätehaus gegenüber dem Rathaus, zu klein geworden war und die vorhandenen Fahrzeuge nicht mehr zeitgemäß untergebracht werden konnten, wurde im Mai 1965 mit dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses begonnen. Nach fast 2jähriger Bauzeit war es Anfang 1967 fertig gestellt. Mit 4 Fahrzeugboxen, 3 Wohnungen, einer Schlauchwäscherei und einem Trockenturm bot es für die Kameraden reichlich Platz.

Mit der Einweihung des Gerätehauses am 9. Juni 1967 erhielt der Löschzug als Ersatz für das stillgelegte LF8-TSA ein neues LF8/TS, ein Löschfahrzeug mit einer Vorbaupumpe 800 Liter/min, und einer eingeschobenen Tragkraftspritze 800 L/min.

Feuerwehrgerätehaus an der Propsteistraße im Jahre 1967
Feuerwehrgerätehaus an der Propsteistraße im Jahre 1967

 

Im September 1967 trat Oberbrandmeister Hans Odenthal als Wehrleiter der Gemeinde aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen zurück. Als letzte Amtshandlung beförderte er Brandmeister Clemens Roth zum Oberbrandmeister.

Sein Amt übernahm vorübergehend Brandmeister Josef Franken von der Löschgruppe Heiligenhaus. In der Mitgliederversammlung am 17.03.1968 wurde dann Oberbrandmeister Clemens Roth zum neuen Wehrleiter der Gemeinde Overath gewählt und vom Rat der Gemeinde ernannt. Zudem blieb er Zugführer des Löschzuges Overath. Unterstützt wurde er von Brandmeister Willi Altenrath und Unterbrandmeister Hans Faßbender.

Vom 21.6. bis 23.6 des gleichen Jahres fanden die Feiern zum 75jährigen Bestehen des Löschzuges Overath statt. Die Festfolge umfasste einen Festkommers im Bergischen Hof. Übungen aller Gemeindewehren auf dem Sportplatz und einen Festball im Saal des Hotels Steinhof. Am Sonntag morgen fand ein Festhochamt mit einer Weihe der neuen Fahne statt. Anschließend folgte ein Platzkonzert mit einem großen Festzug durch Overath.

Zum 75-jährigen Bestehen verfügte der Löschzug Overath über folgende Fahrzeuge:

  • 1 TLF 16 Tanklöschfahrzeug mit einem Wassertank von 2.400 Litern
  • 1 LF 8/TS Löschgruppenfahrzeug
  • 1 Anhänger für Waldbrände mit Motorsäge
  • 1 Anhänger für Ölabwehr mit Ölabsauggerät und Stromerzeuger
  • 1 Krankenwagen mit allen Zusatzgeräten

 

Im Mai 1974 wurde dann das 2.Tanklöschfahrzeug für den Löschzug beschafft werden. Zudem konnte in den 70er Jahren die persönliche Ausrüstung, Schutzkleidung verbessert werden. Sämtliche Fahrzeuge wurden mit Funk ausgerüstet (2m und 4 m Band), außerdem konnten die ersten 6 Funkmeldeempfänger (für die stille Alarmierung) angeschafft werden.

Die zwischenzeitlich erbaute Autobahn A4 Köln-Olpe mit den Teilstücken Overath-Engelskirchen und Overath-Untereschbach stellte für den Löschzug Overath eine Erweiterung des Einsatzpotentials dar.

Nach der Beförderung zum Hauptbrandmeister im Februar 1980 übernahm Alfons Strauch die Zugführung des Löschzuges Overath.

Zum 1.10.1981 übernahm der Rheinisch-Bergischen-Kreis den Rettungs­ und Krankentransport von der Feuerwehr. Dafür wurde eine Rettungswache neben dem Feuerwehrgerätehaus errichtet.

Ende 1982 erhielt der Löschzug Overath ein LF 16, ein Löschfahrzeug, das neben den Geräten zur Brandbekämpfung auch über Geräte zur Technischen Hilfeleistungen verfügte, da das bis dahin stationierte Löschfahrzeug LF8/TS die Einsatztüchtigkeit verloren hatte. Im gleichen Jahr schaffte sich der Löschzug mit eigenen Mitteln einen Mannschaftstransportwagen an.