Die Entwicklung bis zum 100-jährigen Bestehen des Löschzuges

Kaum ein Zeitraum hat so entscheidende Veränderungen für den Löschzug Overath gebracht, wie der Zeitraum zwischen dem 90. und dem 100.Jubiläum.

Personelle Veränderungen an der Führungsspitze, Verlagerung der Arbeitsschwerpunkte zu veränderten Anforderungen an die Feuerwehren, ansteigendes Einsatzaufkommen und nicht zuletzt eine starke Verjüngung quer durch alle Dienstränge. Diese Aspekte haben den Löschzug Overath in seinem inneren und äußeren Erscheinungsbild sehr stark verändert und geprägt. Es fand ein Umbau, bzw. eine Neustrukturierung statt, die bis in die heutigen Tage anhält.

Die nachfolgende Einsatzbeschreibungen stellen lediglich einen Ausschnitt der größeren Einsatz in dem Zeitraum dar.

17.06. - 19.06.1983 - 90jähriges Bestehen des Löschzugs Overath

Die Freiwillige Feuerwehr, Löschzug Overath, feiert an 3 Tagen mit der Bevölkerung ihr 90jähriges Bestehen. Geleitet wird die 30 Mann starke Feuerwehr vom Zugführer Hauptbrandmeister Alfons Strauch. Zu dieser Zeit bewegt sich das Einsatzaufkommen auf 50 bis 60 Einsätze pro Jahr. Zunehmend macht sich der Trend bemerkbar, dass zwar die Anzahl der Brandeinsätze annähernd konstant bleibt, jedoch die Zahl der technischen Hilfeleistungen permanent steigt.

19.09. - 20.09.1984 - Brand Fa. Dahl-Kanal in Rösrath

Am Abend des 19.09.84 wird gegen 21.00 Uhr ein Brand gemeldet, der sich später als das größte Schadenereignis im Rheinisch Bergischen Kreis bis heute herausstellen sollte. Um 21.10 Uhr wird der Löschzug Overath alarmiert, um der Feuerwehr Rösrath Unterstützung zu leisten. In Kleineichen brennt die Lagerhalle des Kunststoffwerkes Dahl-Kanal. Während ein Teil des Löschzuges Overath nach Rösrath ausrückt, um mit Wehren aus dem gesamten Kreis den Brand zu bekämpfen, informiert der andere Teil über Lautsprecher die Bevölkerung über die Gefahren und Maßnahmen, die zu treffen sind. Messungen ergeben im gesamten Westen des Kreises eine riesige Wolke aus giftigen Dämpfen. Bei der Verbrennung der PVC-Produkte der Firma Dahl-Kanal entsteht in Verbindung mit Wasser Salzsäure. Für die Bevölkerung wird Katastrophenalarm ausgelöst.

In den frühen Morgenstunden des Donnerstages ist der Brand unter Kontrolle, so dass der Löschzug Overath wieder einrückt. Kaum 8 Stunden später am Donnerstag, dem 20.09. um 14.30 Uhr, kommt es zum erneuten Ausbruch des Brandes. Der Löschzug Overath wird um wiederholte Unterstützung gebeten und kämpft eine weitere Nacht mit Wehren aus dem gesamten Umkreis gegen die Flammen.

16.03.1985 - Dietmar König wird kommissarischer Zugführer

Der bisherige Zugführer Alfons Strauch verlegt berufsbedingt seinen Wohnsitz in den Rhein-Sieg-Kreis. Alfons Strauch führte 5 Jahre lang den Löschzug Overath. Gemeindebrandmeister Clemens Roth ernennt auf der Jahreshauptversammlung den Hauptbrandmeister Dietmar König zum kommissarischen Zugführer.

25.08.1985 - Feuer im Gestüt Böke in Hufenstuhl

Durch Selbstentzündung von frisch eingefahrenem Heu kommt es Sonntag um 12.35 Uhr zu einem Großalarm für die Overather Feuerwehren. Nur haarscharf entkommt das Gestüt Böke bei Hufenstuhl einer Katastrophe. In letzter Minute können 20 Pferde aus den brennenden Stallungen gerettet werden. Mit insgesamt 90 Wehrmännern schafft man es, das angrenzende Wohnhaus zu bewahren.

03.11.1985 - Feuer im Gut "Haus Balken"

Sonntagsmorgens kommt es zu einem der längsten Einsätze des Löschzuges Overath. Haushohe Flammen schlagen aus den Stallungen des "Haus Balken". 60 Kühe und 16 Jungtiere können aus dem Stall gerettet werden, das angrenzende Wohnhaus wird in letzter Minute durch massiven Wassereinsatz vor Schaden bewahrt. Jedoch fällt der gesamte Sommerertrag, Winterfuttervorrat und der Maschinen­ und Gerätepark den Flammen zum Opfer. Erst nach 18 Stunden Brandeinsatz bei Schneeregen kann der Löschzug Overath wieder einrücken.

Neben dem unversehrten Haus; Brandmaterial wird per Wagen zum Nachbehandeln auf die Wiese gebracht
Neben dem unversehrten Haus; Brandmaterial wird per Wagen zum Nachbehandeln auf die Wiese gebracht

28.01.1986 - massive Überschwemmungen in Overath Zentrum

Durch starke, andauernde Regenfälle ist Overath Zentrum von Überschwemmungen heimgesucht worden. Zwischen 02.25 Uhr und 23.00 Uhr müssen zahlreiche Keller ausgepumpt, gestaute und übergetretene Bäche von Reisern befreit, entwurzelte Bäume beseitigt sowie überschwemmte Straßen wieder befahrbar gemacht werden.

Hier müssen 200.000 Liter Wasser abgepumpt werden
Hier müssen 200.000 Liter Wasser abgepumpt werden

24.02.1986 - Brand Turnhalle Grundschule "Am Klarenberg"

Um 02.13 Uhr wird der Löschzug Overath in der Nacht zum Montag gerufen. Die Turnhalle der Grundschule "Am Klarenberg" brennt. Auf dem Weg zur Einsatzstelle wird das gesamte Ausmaß des Brandes ersichtlich. Direkt werden die Nachbarfeuerwehren nachalarmiert. Aufgrund starker Minustemperaturen und bedingt durch Eigenheiten des Brandobjektes erweisen sich die Löscharbeiten als äußerst schwierig. Die Turnhalle ist nicht mehr zu retten, die angrenzenden Gebäudeteile bleiben unbeschadet.

Betroffenheit bei den Feuerwehrmännern entsteht drei Tage später, als bekannt wird, dass ein Mitglied der Feuerwehr die Brandstiftung der Turnhalle gesteht.

15.03.1986 - Aloysius Schmidt wird neuer Zugführer des Löschzugs Overath

Jahreshauptversammlung des Löschzuges Overath in den vergrößerten Unterrichtsräumen des Löschzuges Overath im Feuerwehrgerätehaus: Die seit einem Jahr vakante Führungsposition im Löschzug Overath, die zwischenzeitlich kommissarisch durch den Hauptbrandmeister Dietmar König eingenommen wurde, ist nunmehr wieder voll besetzt. Gemeindebrandmeister Clemens Roth kann den Hauptbrandmeister Aloysius Schmidt nach
erfolgreichem Lehrgangsbesuch zum Zugführer des Löschzuges Overath ernennen.

30.12.1986 - Personensuche auf der Agger bei Hochwasser

Der Höhepunkt einer seit Tagen angespannten Hochwassersituation, mit einigen Einsätzen, ist die Alarmierung des Löschzuges Overath zur Menschenrettung auf der Agger. Fahrlässiges Verhalten zeigen 3 Kanufahrer auf der zu diesem Zeitpunkt unberechenbaren Agger. Einer kentert und wird vermisst. Der Feuerwehr bleibt nichts anderes übrig, als im Schlauchboot selber die Agger zu befahren und nach der vermissten Person zu suchen. Nach einer rasanten Fahrt von 30 Minuten kann das Ufer angesteuert werden. Die vermisste Person konnte sich selber ans Ufer retten.

10.05.1987 - Löschzug Overath richtet die Stelle des Pressesprechers ein

Als erste Feuerwehr im Rheinisch Bergischen Kreis richtet der Löschzug Overath im Vorstand die Stelle des Pressesprechers ein. Grund ist die nach Meinung der Feuerwehrangehörigen zu ungenügende oder auch falsche Darstellungsweise der Feuerwehraktivitäten in den regionalen Medien.

Vielerorts hat man schon früh erkannt, wie wichtig eine gute Öffentlichkeitsarbeit ist. Obwohl die Feuerwehren nichts verkaufen wollen, bedürfen sie einer guten Öffentlichkeitsarbeit, wie jeder Konzern oder Großbetrieb. Die Feuerwehr will zwar kein Produkt, aber sich selbst in der Öffentlichkeit "verkaufen". Die Feuerwehr gut zu verkaufen bedeutet: Sachkompetenz vertreten, Vertrauen aufbauen und erhalten, Sicherheitslücken offen aufzeigen, Hilfe anbieten, die Feuerwehrangehörigen motivieren und vor allem Entscheidungsträger positiv für die Belange der Feuerwehr einstimmen.

Der Öffentlichkeit sollte ein realistisches Meinungsbild vermittelt werden, welches sich positiv für die Feuerwehren auswirkt, welches den vielerorts verbreiteten Vorurteilen vor allem über Freiwillige Feuerwehren entgegenwirkt.

Die Arbeit der Feuerwehr bedarf der kritischen Selbstdarstellung sowohl nach innen, als auch nach außen, denn ohne Anerkennung in der Öffentlichkeit kann auch die Feuerwehr auf Dauer nicht existieren. Sie wird von der Öffentlichkeit getragen und lebt von ihr.

05.03.1988 - Clemens Roth wird als Wehrführer der Stadt verabschiedet

In einem Festakt übergibt der bisherige Gemeindebrandmeister Clemens Roth das Kommando über die Feuerwehren Overath, Vilkerath, Heiligenhaus, Steinenbrück und Immekeppel an seinen Nachfolger Paul Breit. Der Zugführer des Löschzuges Overath, Hauptbrandmeister Aloysius Schmidt wird zum stellvertretenden Gemeindebrandmeister ernannt.

Stichwort "Clemens Roth"

Am 01. April 1942 trat Clemens Roth in den Löschzug Overath ein. Zehn Jahre später avanciert er zum Oberfeuerwehrmann, 1964 zum Brandmeister, 1967 zum Oberbrandmeister und Zugführer des Löschzuges Overath. Im selben Jahr wurde er mit der kommissarischen Leitung der Gemeindewehr betraut. 1968 legt der Rat der Gemeinde Overath auch offiziell dieses Amt in seine Hände, ein Jahr später folgt die Beförderung zum Hauptbrandmeister. Im folgenden Jahrzehnt widmet sich Clemens Roth vor allem der Modernisierung seiner Wehr. Zu dieser Zeit waren Lederstiefel und Arbeitshandschuhe noch Mangelware, von Fahrzeugen und Unterkünften ganz zu schweigen. Diese Schieflage griff er mit beiden Händen an. Clemens Roth verstand es vorzüglich, die Notwendigkeit von Baumaßnahmen und Beschaffungen deutlich zu machen und sorgte dafür, dass alle Löschgruppen über gut ausgebaute Häuser und einen angemessenen Ausrüstungsstand verfügen. Material
und Ausbildungsstand lagen ihm über die Gemeindegrenzen hinweg am Herzen. 1981 erhielt er die Ernennung zum stellvertretenden Kreisbrandmeister und trat dem Katastrophenschutz-Stab des Kreises bei.

04.03.1989 - Clemens Roth wird zum Ehrenhauptbrandmeister ernannt

Auf der Jahreshauptversammlung des Löschzuges Overath wird Altgemeindebrandmeister Clemens Roth zum Ehrenhauptbrandmeister ernannt.

Außerdem wird die Anschaffung von Chemikalien-Vollschutzanzügen beschlossen. Damit ist der Einstieg in den Bereich "Gefährliche Stoffe und Güter" getan. Es ist beabsichtigt, die Anzüge aus dem eigenen Kassenbestand
anzuschaffen .

28.02. - 01.03.1990 - Orkan "Wiebke" sorgt für Einsätze

Der Orkan "Wiebke", der mit 130 km/h über Deutschland fegt, bringt den Feuerwehren Arbeit wie nie: Von Donnerstag 22.30 Uhr bis Freitag 18.00 Uhr ist der Löschzug Overath pausenlos unterwegs, um Sturmschäden aller Art zu beseitigen. In diesem Zeitraum leisten die Wehrmänner insgesamt 73 mal Hilfe.

Orkan "Wiebke"

05.03.1991 - Gasalarm Fa. Scharrenbroich

Gas-Alarm in der Dr. Ringens-Straße: Um 09.58 Uhr muss der Löschzug Overath mit 15 Mann ausrücken. Bei der Fa. Scharrenbroich strömt Ammoniakgas aus einer defekten Leitung. Ausgerüstet mit Atemschutz und Chemikalien-Vollschutzanzügen gelingt es, die Ventile zu schließen. Die giftigen Dämpfe können mit Wassersprühnebel niedergeschlagen werden.

11.10.1992 - Übergabe des neuen Gerätewagen-Gefahrgut an den Löschzug

An diesem Sonntagmorgen werden dem Löschzug Overath die Schlüssel für ein neues Fahrzeug übergeben. Mit dem Gerätewagen-Gefahrgut wird eine wichtige Lücke im Fahrzeugpark der Overather Feuerwehren geschlossen.

Übergabe des neuen Gerätewagen-Gefahrgut

11.11.1992 bis 20.02.1993 - Löschzug Overath stellt den Karnevalsprinzen

Am 11.11 beginnt die Karnevalssession '92/'93. Das diesjährige Karnevalsprinzenpaar ist Prinz Alo I und Prinzessin Käthe. Ausnahmsweise stellt die Feuerwehr mit ihrem Zugführer Aloysius Schmidt den Prinzen Karneval. Grund ist das 100. Jubiläum des Löschzuges Overath in 1993.

Von der ersten Minute, der Prinzenvorstellung, über die Proklamation, dem Karnevalssonntag bis hin zum Aschermittwoch wird eine äußerst erfolgreiche Karnevalssession gefeiert. Unterstützt wird er dabei nicht nur vom Vereinsring, sondern auch von einigen Wehrkameraden durch die Teilnahme im Elferrat.